Exkursionsbericht Tondern

„Tönnern is een nüdli old nest.“

Diesen Satz hat Klaus Groth zwar nicht auf Tondern geprägt, sondern auf den alten Landesvorort seiner Dithmarscher Heimat, Meldorf. Die liebevolle Charakterisierung hätte er aber auch für das weiter nördlich, im historischen Herzogtum Schleswig, nahe der Nordsee hin gelegene Tondern treffen können. Denn das ist Tondern, auch heute noch, eine kleine Landstadt ganz eigener Prägung, unverwechselbar. Und diese Stadt, und das in Sichtweite gelegene Mögeltondern, hatten sich am 26. Oktober 2013 achtzehn Mitglieder des Fördervereins für eine Exkursion vorgenommen.

Die Fahrt begann an diesem frischen Oktobermorgen in Schleswig und ging durchs alte Südschleswig an die Nordseeküste, nur wenige Kilometer nördlich der seit 1920 bestehenden Staatsgrenze zwischen Deutschland und Dänemark.

Unser Vereinsvorsitzender führte während der Fahrt in die Geschichte der alten Herzogtümer und des neuen Grenzlandes ein, wo Jüten und Friesen, Deutsche und Dänen jahrhundertelang friedlich zusammengelebt hatten und wo erst nationale Leidenschaften im neunzehnten Jahrhundert dafür gesorgt hatten, dass die Harmonie zerbrach und Hass und Missgunst, ja blutige Kriege das Geschehen bestimmten. Natürlich gab es auch damals Stimmen der Vernunft: Sie wurden nicht gehört. Deutsche und Dänen behandelten einander schlecht, standen sich in nichts nach. Manche Wunde ist noch nicht verheilt. Hoffnung ruht besonders auf der jungen Generation, die erfreulich "unpolitisch" ist.

Der Besuch in der lebendigen Kleinstadt, Mittelpunkt der umgebenden Marsch, begann mit einer ausführlichen Stadtbesichtigung durch eine Führerin, die mit kluger Akzentsetzung der besonderen Orte ein charakteristisches Bild der alten, seit 1017 als Handelsplatz bekannten Stadt entstehen ließ. 1227 und 1238 siedelten sich Dominikaner und Franziskaner an. Indem Tondern 1243 das Lübsche Stadtrecht erhielt, ist es die älteste Stadt des heutigen Dänemark. Einer der wenigen Hafenplätze an der Nordseeküste, entwickelte es sich seit ihrer Gründung zu einem bedeutenden Wirtschaftsstandort. Mit der Aufführung des Schlosses begann dann seine Bedeutung als Verwaltungs- und Gerichtsort zu wachsen. Dem Viehhandel mit den fetten jütischen Ochsen verdankte es seinen Wohlstand bis in das zwanzigste Jahrhundert.

Heute kämpft sie mit all den Problemen, die alle kleinen Städte in der Fläche zu bewältigen haben: Überalterung der Bevölkerung, Weggang von Institutionen wie der Garnison oder der Pädagogischen Hochschule. Aber immer noch ist Tondern lebendiger Mittelpunkt seines historischen Einzugsbereichs.

Beeindruckt hat uns während der Führung das reiche architektonische Erscheinungsbild, das vom Wohlstand vergangener Jahrhunderte zeugt.

Nach einer wohlschmeckenden, typisch dänischen Frokost im Hotel "Tonder-Hus" besichtigten wir das imponierende "Sønderjyllands Kunstmuseum", einen aus Teilen des alten Schlosses, dem Wasserturm und moderner dänischer Architektur komponierten Gebäudekomplex, alles maßstäblich auf die Umgebung, die alte Landvogtei und das preußische Kreishaus abgestimmt.

Kundige Führung wurde uns auch hier zuteil. Die reiche volkskundliche Sammlung, besonders die Erzeugnisse barocker und klassizistischer Möbelkunst, beeindruckten, wie auch die hochentwickelten Produkte der Klöppelei, lange eine Quelle von Tonderns Wohlstand.

Ein Höhepunkt des Besuchs war die Sammlung von Stühlen des weltbekannten Designers Hans J. Wegner, der bis in die Sechzigerjahre des letzten Jahrhunderts vielen jungen Entwerfern angestrebtes Vorbild war. Auch John F. Kennedy mit seinem geplagten Rücken bevorzugte Wegners Sitzmöbel. Der Blick aus dem obersten Stockwerk des Museums im alten Wasserturm über das weite Land und die Dächer der Stadt war einmalig.

Ein Rundgang durch die Abteilung für Moderne Kunst vermittelte einen Eindruck davon, was auch kleineren Häusern möglich ist, wenn private Förderung deutliche Akzente setzen will.

Den Abschluss der Reise bildete ein Besuch von Mögeltondern, sechs Kilometer in Richtung Nordsee. Manche sagen, es sei das schönste Dorf Dänemarks, eines der schönsten ist es ganz gewiss. Es besteht aus Schloss, "Slots-Kro", Kirche und einer geraden Straße mit wunderbaren Häusern, hauptsächlich aus dem frühen neunzehnten Jahrhundert. Wer die Bedeutung des dänischen Wortes "hyggelig" erfassen will, sollte diesen Ort besuchen, in dessen Schloss der zweite Sohn der Königin residiert, Prinz Joachim. Man fühlt sich gleich wohl. Größer wird das Wohlbehagen noch bei einem Besuch im "Kro", wo Kaffee und jütische Torten den Gast erwarten.

Bei guten Gesprächen klang der Tag aus.

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