Exkursionsbericht Sachsenwald

„Die 'up ewig Ungedeelten' müssen einmal Preußen werden.“

von Dr. Klaus Alberts, Kiel

Diese Worte, von Otto von Bismarck am Altjahrsabend 1863 in launiger Runde beim Punsch gesprochen, passten als Motto zum Besuch des "Vereins zur Förderung des Landesarchivs Schleswig-Holstein" in Friedrichsruh am 28. April dieses Jahres. 23 Mitglieder nahmen an der Exkursion teil, in deren Rahmen zugleich die alljährliche Mitgliederversammlung abgehalten wurde.

31. Dezember 1863: Was war geschehen, das den preußischen Ministerpräsidenten dazu gebracht hatte, in legerem Ton eine weitreichende politische Vision zu verkünden und keineswegs nur einen lässig hingeworfenen Satz in Feierlaune?

Nachdem die sogenannte Schleswig-Holsteinische Frage, also die Frage, wie die umstrittene Zukunft der beiden Herzogtümer sich künftig gestalten sollte, die internationale Staatenwelt Jahrzehnte beschäftigte hatte, und andere Konflikte, etwa der Krimkrieg, in den Vordergrund getreten waren, tauchte das Problem 1863 erneut aus der Versenkung auf, als Dänemark – wieder einmal – versuchte, gegen alle internationalen Verträge, sich das Herzogtum Schleswig einzuverleiben. Nun mussten die Mächte reagieren, obwohl deren Neigung gering war, schon wieder den Lästigen im Norden ihre Aufmerksamkeit zu widmen. In einem war man sich weitgehend einig: Eine Überlassung Schleswigs an Dänemark kam nicht in Frage. An einem neuen, unabhängigen Mittelstaat Schleswig-Holstein, womöglich demokratisch angehaucht, bestand bei den Großmächten kein Interesse. Eine Ausnahme machte da nur das Kaisertum Österreich, das in einem weiteren Mitglied des Deutschen Bundes, das vermutlich nicht pro-preußisch eingestellt sein würde, eine Schwächung von Berlins Position in Deutschland voraussah.

Und dann eben Otto von Bismarck: Er witterte die Chance auf Krieg gegen Dänemark, Gewinn einer neuen Provinz für seinen König und – Ablenkung von seinen immensen innenpolitischen Schwierigkeiten. So kam es: Alles sollte sich in seinem Sinne entwickeln. Er führte seinen Krieg, und genau wie ein hellsichtiger Husumer Bürgermeister es schnell erkannte: "Nicht für uns Schleswig-Holsteiner, sondern um uns." Recht hatte er: Am 12. Januar 1867 ist Schleswig-Holstein preußische Provinz. Otto von Bismarcks Werk.

Guter Grund für unseren Verein, dem "Alten vom Sachsenwald" einen Besuch abzustatten. In Friedrichsruh, in dem Sachsenwald, den Wilhelm I., Herzog von Lauenburg, ihm für seine Verdienste um die deutsche Einigung 1871 zum Geschenk gemacht hatte. 1890 verdichtete sein Enkel Wilhelm II. die Verbindung Bismarcks zu unserem Lande noch, als er ihn zum "Herzog zu Lauenburg" machte, ein Titel, den der so Geehrte nie führte, wie er überhaupt schon zuvor jede Standeserhöhung höchst missbilligend zur Kenntnis genommen hatte.

Unser Besuch führte in das "Alte Landhaus", ein 1937 von der Familie eingerichtetes Bismarck-Museum, in dem mit zahlreichen Bildern, Gegenständen und Texten des bedeutenden Vorfahren – stark idealisiert – gedacht wird. Ein Prunkstück ist die von Anton von Werner geschaffene Interpretation der Ausrufung König Wilhelms I. zum deutschen Kaiser. Zentral auch hier im Garde-Kürass der Reichsgründer.

Ergänzung und Vervollständigung erfahren Erinnerung und Würdigung an und von Otto von Bismarck im Bahnhof Friedrichsruh mit einem illustrierten Gang durch seine Zeit. Das Haus ist zugleich Sitz der 1996 errichteten bundeseigenen Otto-von-Bismarck-Stiftung, die sich u. a. eine neue kritische Werksausgabe seiner Schriften zum Ziel gesetzt hat. Wir hatten schließlich die Gelegenheit, im Archiv – bibbernd in der Kälte, aber doch von der Unmittelbarkeit beeindruckt – Dokumente des großen Mannes anzuschauen. Im Mausoleum – über die Bahnschienen – standen wir dann ihm und seiner getreuen Johanna selbst gegenüber – mit dem Gefühl von der Vergänglichkeit aller Größe.

Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren sehr angetan vom Programm des Tages. Wer einen Besuch in Friedrichsruh mit einer gastronomischen Erinnerung abrunden möchte, sollte sich im Fischgeschäft ihres oder seines Vertrauens einen schönen Bismarck-Hering vorlegen lassen: Guten Appetit!

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