Exkursionsbericht Kiel

Kontraste

Am 10. Oktober 2014 besuchte eine Gruppe unserer Mitglieder zwei Institutionen in Kiel, die unterschiedlicher nicht sein können, die aber miteinander verbindet, dass sie von Einmaligkeit und hochinteressant sind. Deshalb hatte unser Vorstand beschlossen, sie unseren Mitgliedern für eine Exkursion anzubieten: die Schleswig-Holsteinische Landesbibliothek im Sartori- & Berger-Gebäude am Kieler Wall und das GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel an der Schwentine-Mündung.

Dr. Jens Ahlers, Chef der Landesbibliothek, hieß uns sehr herzlich in seinem Hause willkommen, das, darin in seiner Aufgabenstellung dem Landesarchiv sozusagen komplementär, auch einen Teil des "Gedächtnisses" unseres Landes beherbergt. Als Spezialbibliothek zur Geschichte und Landeskunde Schleswig-Holsteins sammelt sie Literatur und Landkarten aus Schleswig-Holstein und über unser Land in Gegenwart und Vergangenheit und alle Werke schleswig-holsteinischer Literaturschaffender. Ihr Bestand umfasst an die 250.000 Bände und etwa 8.000 Karten, weit über 30.000 Mikrofiches und -filme. Sämtliche schleswig-holsteinische Zeitungen werden gesammelt.

Eine Besonderheit ist, dass die Bibliothek über die größte öffentliche Sammlung an Schachliteratur in Deutschland verfügt.

In der Landesgeschichtlichen Sammlung werden Bildquellen zur Landesgeschichte gesammelt. Hier werden an die 40.000 Gemälde, graphische Blätter und Fotos, vor allem Portraits, Orts- und Landschaftsansichten sowie Ereignisbilder bewahrt; bemerkenswert ist auch die Sammlung schleswig-holsteinischer Münzen und Medaillen, die fast 4.000 Stücke umfasst.

Die Musikaliensammlung ist die einzige Musikhistorische Archivbibliothek im Lande. Sie verfügt über gut 30.000 handschriftliche und gedruckte Dokumente von Komponisten aus dem Lande, zwei umfangreiche Sammlungen von Liederbüchern zum Volkslied und umfangreiche Musikalienbestände aus den Herrenhausbibliotheken von Noer und Salzau. Darüber hinaus sammelt sie Werke zeitgenössischer, im Lande lebender Komponisten.

Seit 1970 erarbeitet die Bibliothek das "Biographische Lexikon für Schleswig-Holstein und Lübeck", das – kontinuierlich aktualisiert – intensive Kurzbiographien bedeutender Schleswig-Holsteiner enthält.

Ein weiteres "Highlight" bietet die Handschriftensammlung des Hauses, in der sich Autographen und Nachlässe von Literaten, bildenden Künstlern, Wissenschaftlern und Politikern finden. Beispielhaft seien die Nachlässe von Lorenz von Stein und Ferdinand Tönnies, aber auch die von Theodor Storm, Klaus Groth und Johann Heinrich Voß genannt. Unter den Buchhandschriften finden sich viele kostbare Chroniken, Stammbücher und sogar Poesiealben.

Dr. Ahlers führte uns kompetent und humorvoll in die Arbeit seines Hauses ein und erntete freudiges Erstaunen: für Viele ist die Landesbibliothek eine der großen Unbekannten im Lande, sehr zu Unrecht.

Dr. Kornelia Küchmeister, Stellvertreterin des Direktors und Leiterin der Handschriftenabteilung, präsentierte fachkundig und liebenswürdig "ihre Welt" und gewährte uns Einblicke in wahre Schätze: Eine Handschrift zum Jütischen Recht, ein staatswissenschaftliches Manuskript von Lorenz von Stein, das von Theodor Storm zum Druck freigegebene Korrektur-Exemplar des "Schimmelreiters", das persönliche Exemplar des Versailler Vertrages aus dem Besitz Brockdorff-Rantzaus, versehen mit seinen Marginalien, Briefe Thomas Manns und Albert Einsteins und eine Korrespondenz Günter Grass' mit dem Kieler Buchhändler Eckard Cordes.

Hochwertige Ausstellungen machen die Arbeit der Bibliothek zusätzlich lebendig und sorgen für den permanenten Kontakt zur interessierten Öffentlichkeit.

Äußerst beeindruckt verließen wir nach eineinhalb Stunden unsere freundlichen Gastgeber.

Im GEOMAR-Institut erwartete uns der Leiter "Kommunikation und Medien", Dr. Andreas Villwock, der uns kompetent und engagiert in die hochkomplexe Struktur und die vielfältigen Aufgaben dieser weltbekannten wissenschaftlichen Stätte einführte. Träger sind die Bundesrepublik und das Land Schleswig-Holstein; es ist ein Institut an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.

Es werden dort chemische, physikalische, biologische und geologische Prozesse in den Ozeanen und ihre Wechselwirkung mit dem Meeresboden und der Atmosphäre untersucht; dabei sind die Forschungsschwerpunkte Ozeanzirkulation und Klimadynamik, Marine Biogeochemie, Marine Ökologie und Dynamik des Ozeanbodens.

Einer der langfristigen Schwerpunkte der Tätigkeit ist die Teilnahme an Großprojekten wie dem Exzellenzcluster "Ozean der Zukunft". Aber auch anwendungsbezogene Kompetenzen des Zentrums sind gefragt, wie die wirtschaftlich thematisierte Erkundung von Bodenschätzen und, bekanntes Beispiel aus letzter Zeit, die Hilfe bei der Suche nach dem im Indischen Ozean verschollenen Flugzeug der Malaysia Airlines.

Das Institut, in dem etwa 850 Mitarbeitende tätig sind, bietet mehrere weltweit anerkannte Studiengänge im Bereich der Meereswissenschaften an. Zur Ausrüstung des Hauses gehören auch die Forschungsschiffe "Alkor", "Poseidon" und "Littorina" sowie das Forschungsboot "Polarfuchs" und das einzige deutsche bemannte Forschungstauchschiff "Jago", die im weltweiten Einsatz sind.

Es gelang Herrn Dr. Villwock ganz hervorragend, seinen Gästen die komplizierten Materien nahezubringen und das Verstehen der Rolle der Ozeane im Klimawandel, des Einflusses des Menschen auf maritime Ökosysteme, das Wissen um lebende und nicht-lebende marine Ressourcen sowie Plattentektonik und Naturkatastrophen so zu erläutern und zu vermitteln, dass wir nach seinem Vortrag voller Überzeugung sagen konnten: "Wir haben verstanden!"

Der Rundgang durch das Haus beeindruckte durch die unglaubliche Fülle modernster Technik, sodass auch hier sehr klar wurde, dass das GEOMAR-Institut einer der ganz großen Mitspieler in der Welt der marinen Wissenschaft ist.

Alle Vereinsmitglieder, die an diesem Nachmittag nicht dabei waren, haben viel versäumt. Also nächstes Mal …

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