Exkursionsbericht Lübeck

Weite Blicke

von Dr. Klaus Alberts, Kiel

Einmal im Jahr ist Exkursionstag für die Mitglieder des Fördervereins. Am 9. Oktober 2015 ging es nach Travemünde, das schon im Jahre 1802 den Titel eines Seebades zugesprochen bekam. Wir wollten den wunderschönen Ort kennenlernen und uns von kompetenter Seite über Geschichte und Gegenwart dieses Lübecker Stadtteils (seit 1913) informieren lassen, einen Überblick gewinnen. Zwölf Mitglieder hatten sich auf den Weg gemacht und waren gespannt auf das, was sie erwartete.

Zunächst Überwältigendes; denn wir trafen uns "Über den Wolken", dem Restaurant des Hotels "Maritim", in dessen 33. Stock. Bei bester Sicht war der Blick umwerfend: von Fehmarn zu den sieben Türmen Lübecks, tief hinein in den Klützer Winkel und das liebliche Ostholsteinische Hügelland. Beim Hinabsenken des Blicks erschloss sich der ganze Ort zu beiden Seiten der Trave, von der spätmittelalterlichen ehemaligen "Alten Vogtei" über den ruhigen Kirchplatz bis zur Wohnresidenz "Rosenhof" jenseits der Trave. Shiplover entdeckten die "Passat" vertäut am jenseitigen Ufer. Der einst, zu DDR-Zeiten, zweigeteilte Priwall signalisierte sommerliche Badefreuden. Strandbahnhof und ehemaliges Spiel-Casino symbolisierten bürgerliche Reisevergangenheit und prickelnde Freizeitgestaltung der Fünfziger- und Sechzigerjahre, einer der Hochzeiten des sehr gehobenen Bades. Die neuen, prachtvollen Strandpromenaden rundeten das wunderbare Bild ab.

Nachdem alle genug gesehen hatten und geradezu augensatt waren, las der Vorsitzende zur weiteren Einstimmung einige Szenen aus "Buddenbrooks", nämlich die, die die Ferienzeit des kleinen Hanno darstellen. Thomas Mann hat darin sich selbst als Kind in Travemünde beschrieben, einem Ort, von dem er, wie er gegen Ende seines Lebens sagte, nie losgekommen sei.

Danach informierte unser gelehrtes Mitglied Professor Jürgen Lafrenz über die lange Geschichte des Seebades, das erstmalig als Ansiedlung an der Travemündung 1187 genannt wird. Die Verbindungen nach Lübeck waren eng; Travemünder Fischer belieferten die große Hansestadt mit frischem Fang. 1329 wurde es endgültig Lübscher Herrschaft unterworfen. 1811 bis 1813 war es unter Napoleonischer Herrschaft nordöstlichster Ort des Kaiserreichs. 1913 nach Lübeck eingemeindet, ist es seit dem Groß-Hamburg-Gesetz von 1937 Schleswig-Holstein zugehörig. Mental ist man aber dort sicher noch nicht angekommen. Bei der Vergangenheit ist dieses kein Wunder.

Besonders interessant waren die Ausführungen von Herrn Lafrenz zur Badwerdung des Fischerortes im 18./19. Jahrhundert. Herzlicher Beifall sagte ihm am Ende seines packenden Vortrages Dank.

Nach einem ausgezeichneten Mittagessen, serviert von den außerordentlich kompetenten und freundlichen Mitarbeiterinnen des Hauses, und einer angemessenen Pause konnten wir Herrn Uwe Kirchhoff, den langjährigen, dynamischen Kurdirektor begrüßen, der umfassend über die Zukunft seines Bades informierte. Im Mittelpunkt stand dabei das riesige Ansiedlungsprojekt auf dem Priwall, das ein dänischer Investor realisieren will, eine vielversprechende Mischung aus Ferienwohnungen, Veranstaltungsorten und Badevergnügen. Das Projekt ist eine der großen Hoffnungen Travemündes, das ganz besonders hart mit der vorzüglichen Konkurrenz im benachbarten Mecklenburg-Vorpommern zu kämpfen hat. Die Überalterung des Publikums und der Kampf um die Gewinnung der Jugend prägen weiter die Tätigkeit von Herrn Kirchhoff und seinen Mitstreitern. Der Neubau eines hohen Ansprüchen genügenden Wellness-Projekts direkt am "Maritim" soll den ersten großen Erfolg bringen.

Auch Herr Kirchhoff wurde herzlich gedankt.

Nach einer gemütlichen Tasse Kaffee und einem letzten langen Rundumblick brachte der Fahrstuhl uns nach unten auf die Erde zurück.

Ein schöner Tag in Travemünde wird allen in guter Erinnerung bleiben.

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